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Mittwoch, 17. Dezember 2014

Aufschieberitis

Nach meiner persönlichen Erfahrung kann man den Zustand der Prokrastination in drei verschiedene Kategorien unterteilen:
  • 1. Keine Lust;
  • 2. Eilt nicht;
  • 3. Anderes ist wichtiger.

Hierbei halte ich die erste Variante für die gefährlichste. Sie impliziert, dass ich die volle Kontrolle über das Geschehen habe, dass ich selbst frei über meine Zeit verfüge und dass nur ich allein entscheide, was wichtig ist und was nicht. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass irgendwann das Erreichen eines weiteren Levels von irgendeinem völlig belanglosen Computerspiel als wichtiger erachtet wird als die Anforderungen von Schule oder Beruf.

Die zweite Variante dürfte die am häufigsten vorkommende sein. Nach dem Motto "Weihnachten kommt immer so plötzlich" werden anstehende Arbeiten bis zum allerletzten Moment aufgeschoben. Dies bedeutet aber immerhin, dass man noch eine gewisse Kontrolle über seinen Terminkalender hat und sich des Problems zumindest bewusst ist.

Die dritte Variante - so vermute ich - betrifft vor allem kreative und schöpferische Menschen. Stets entstehen neue Projekte im Kopf, immer neue Anregungen lassen neue Ideen entstehen. Die Liste der gedanklichen Baustellen wird immer länger. Ich sehe vor meinem geistigen Auge so etwas wie eine lange Sitzbank, auf der meine Projekte auf Abruf sitzen wie die Patienten in einem Wartezimmer. Sie sind natürlich nach Wichtigkeit sortiert. Kommt aber eine neue Projektidee hinzu, so reiht sie sich nicht ans Ende der Wartebank ein, sondern sie drängelt sich je nach gefühlter Dringlichkeit gern auch mal weiter nach vorn. Das muss natürlich dazu führen, dass die anderen, als nicht ganz so wichtig eingestuften Projekte weiter nach hinten rutschen. Da diese Wartebank auch nur eine gewisse Länge hat, kann es dazu führen, dass Projekte, die weit genug nach hinten verdrängt wurden, irgendwann ganz von der Wartebank hinabrutschen - ins Nirvana des Vergessens. Leider kann dies auch Projekte treffen, die sich später dann doch noch als wichtig herausstellen, so dass diese dritte Variante sich letzten Endes auch nicht  besser oder sicherer erweist als die erste. 

Quod erat demonstrandum: Nachdem ich festgestellt habe, dass ich seit Monaten hier nichts mehr geschrieben hatte, begann ich diesen Blog ein wenig aufzuräumen. Dabei musste ich feststellen, dass viele der von mir hochgeladenen Bilder nicht mehr abrufbar waren, und so habe ich einen Teil der Bilder neu einbinden müssen, einige Beiträge habe ich auch gelöscht. Es stellt sich aber für mich heraus, dass dieser Blog seinen Namen zu Recht trägt, denn nie hat mich jemand darauf hingewiesen, dass hier etwas fehlte.

Sonntag, 6. Juli 2014

Ein Rückblick



Ich habe ein weiteres, wichtiges Etappenziel in meinem Leben erreicht, so dass es nun an der Zeit zu sein scheint, einmal innezuhalten und auf die letzten Jahre zurückzublicken.

Es begann ganz harmlos
Einer der --  wie sich später herausstellte --  wichtigsten Tage in meinem Leben verlief  ganz unspektakulär und endete wie so viele davor und danach vor dem Fernseher. Es war der 25. April 2006, ein Dienstag, und damit bot sich das TV-Programm des WDR mit der Sendung „Quarks & Co.“ an. Das Thema lautete: Autismus.
Der Bericht traf mich völlig unvorbereitet. Ich hatte mehrfach spontan das Gefühl: „Reden die über mich?!“ Viele der geschilderten Eigenheiten und Einschränkungen kannte ich gut, denn mir ging es ja Zeit meines Lebens nicht anders. Nun gut, ich kannte zwar bei meiner Ernährung keine Fixierung auf Kohlprodukte; aber andere Dinge wie Einschränkungen bei sozialen Kontakten oder stark ausgeprägte Spezialinteressen dagegen sind mir sehr vertraut.
Schon am Tag darauf begann ich, intensiv im Internet zu recherchieren, und es dauerte nicht lange, bis ich einschlägige Themenforen fand, in denen ausführlich diskutiert wurde. Bald darauf lernte ich auch einige Menschen persönlich kennen, die sich genauso wie ich im autistischen Spektrum wiedererkannten. 

Ein erster Versuch
Naiv wie ich damals war, glaubte ich, mit dieser meiner persönlichen Gewissheit auch einen Fachmann überzeugen zu können. Dieser Versuch im Juli 2006 geriet zum Fiasko: Innerhalb einer Sitzung machte mir dieser Facharzt klar, warum nicht sein könne, was nicht sein darf. Ich hätte – wenn es denn so wäre – besondere Auffälligkeiten bereits im frühesten Kindesalter zeigen müssen. Bei Kindern und Jugendlichen kommt das Asperger Syndrom vor; bei Erwachsenen nicht. Punktum.
GruppentreffenMit dieser offensichtlichen Diskrepanz vor Augen ging ich zunächst einmal  meiner Wege. Das hielt mich aber nicht davon ab, mich ehrenamtlich im Bereich der Aufklärungsarbeit (die offenkundig notwendig war) zu engagieren.
Im Februar 2007 wagte ich einen erneuten Versuch und wandte mich an einen anderen Fachmann. Welch ein Unterschied: Man nahm mich und mein Problem ernst, es wurden psychologische Tests durchgeführt und es lag sehr bald ein Ergebnis „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ vor. Erneut brach meine Naivität durch, und ich stellte mit diesem Ergebnis bewaffnet einen Antrag beim  zuständigen Landesamt für Soziale Dienste (LAsD). Das Ergebnis: Ein Grad der Behinderung (GdB) von 20 wird festgestellt. 

Vereinsmeierei
 Zu diesem Zeitpunkt gab es einen noch jungen Verein, der in Ermangelung von Unterstützern und Mitarbeitern kurz vor dem Ende stand. Zuspruch von mehreren Seiten gab mir den Mut, mich für die Aufgabe zur Verfügung zu stellen, und so wurde ich 2008 in den Vereinsvorstand gewählt. 
VeranstaltungHochfliegende Pläne wurden gemacht, es wurden Projekte angestoßen und fleißig neue Mitglieder geworben. Im März 2009 reiste eine kleine Delegation ins Vogtland, um den Verein auf einer deutschlandweit erstmaligen Tagung zu vertreten; im März 2010 konnte diese Veranstaltung unter dem Titel „2. Autismustag“ sogar in meiner Heimatstadt durchgeführt werden. Dazwischen fanden immer wieder Treffen statt, so z.B. bei einer Tagung  des Vereins Autismus Deutschland e.V. in Bielefeld.  Auch an der Gründung einer Genossenschaft, die sich mit dem Thema Autismus  befasst, bin ich mitbeteiligt. Im April 2011, nach Ablauf meiner satzungsgemäßen Amtszeit, beendete ich meine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des Vereins und übergab die Verantwortung  in andere Hände. 

Noch ein Anlauf
Während alle diese Dinge sich entwickeln,  gab ich selbst die Hoffnung nicht auf und suchte einen weiteren Fachmann  auf (ja, noch einen). Erneut stand auch diesmal sehr schnell ein klares Ergebnis fest. Im Januar 2009 stellte ich also erneut einen Antrag. Dieses Mal kam man zu dem Ergebnis, mir einen GdB von 40 zuzuerkennen.  -- Knapp am Ziel vorbei vorbeigeschrammt.  Also versuchte ich, mit Hilfe des Sozialverbandes Deutschland  (SoVD) dagegen anzugehen.  Es kam zum gerichtlichen Verfahren, in dem ein Gutachter beauftragt wurde. Er kam im März 2010 u.a. zu dem Ergebnis: Das Asperger Syndrom im Erwachsenenalter sei in der ICD-10 (Auflage 2008) „nicht aufgeführt“. Der SoVD legt mir nahe, die Klage zurückzunehmen.  Es bleibt also alles so, wie es ist.
Das Leben wird aber dadurch nicht gerade leichter. Die Probleme, die ich gelernt hatte zu erkennen, wuchsen mir langsam aber sicher über den Kopf. Nachdem ich feststellen musste, dass auch die wenigen sozialen  Kontakte, die ich während meiner Tätigkeit im Verein und in der Selbsthilfegruppe knüpfen konnte, mehr und mehr einzuschlafen drohten, versuchte ich es im November 2012 mit einer regelrechten Psychotherapie. Diese Therapie kam aber über die 5 probatorischen Sitzungen nicht hinaus, denn es konnte kein „gemeinsamer Nenner“ gefunden werden. 

Tempus fugit
Was bleibt zu tun, wenn man das Gefühl hat, die Probleme werden immer größer, aber es ist keine Lösung in Sicht?! Nachdem ich meine Vereinstätigkeit eingestellt hatte und auch die Treffen der Selbsthilfegruppe für mich scheinbar keinen Sinn mehr ergaben, machte ich den mir einzig logisch erscheinenden Schritt und wagte im März 2014 noch ein weiteres Mal einen therapeutischen Neuanfang. Für mich schloss sich dabei ein Kreis, ich war an derselben Stelle, die ich auch beim ersten Mal aufgesucht hatte; aber es war eine andere Ärztin. Diesmal aber begann ich das Gespräch mit einer klaren Vorgabe, nämlich dem Wunsch nach einer gesicherten Diagnose und mit zwei Fragen: Trifft es zu, dass bei mir das Asperger Syndrom vorliegt; wenn aber nicht, was ist es dann?
KindheitDieser Ärztin nun endlich gelang es, die richtigen Fragen zu stellen, mir aufmerksam zuzuhören und die wenigen Details, die ich aus meiner eigenen Kindheit zusammenstellen konnte, in den richtigen Kontext zu bringen. Ein weiteres Mal kam es zu einer recht eindeutigen Diagnose. Die einzige Einschränkung, die blieb, war der Tatsache geschuldet, dass die Informationen aus meiner Kindheit (die ja nun schon mehr als vierzig Jahre zurückliegt) leider in manchen Punkten unvollständig blieb. Das aber, was vorhanden und auch belegbar war (so unter anderem meine Schulzeugnisse), reichte für ein klares Bild aus. 

Dem musste sich auch das LAsD anschließen. Dort kam man recht schnell, nämlich schon im Juni 2014, zu dem Ergebnis: Ein GdB von 50 wird festgestellt.

Samstag, 15. Juni 2013

Fachleute … verzweifelt gesucht



Unter diese Überschrift – in Anlehnung an den Titel einerUS-Filmkomödie – möchte ich folgenden Beitrag setzen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, so würde ich mir wünschen, eine Person zu finden, auf die folgende Beschreibung passt, welche  ich einfach mal gedanklich in die Form eines Stellenangebotes gepresst habe. 


Gesucht wird:   ein( e) Mediziner( in). Alter egal, im Raum Schleswig-Holstein ansässig.

Einzige Bedingung zu Vorkenntnissen: Die Arbeiten von Hans Asperger, Lorna Wing, Tony Attwood und anderen  müssen gelesen – und inhaltlich verstanden worden sein.

Profil: Ein Stellenbewerber (m/w) sollte in der Lage sein, auch und vor allem bei Personen, die bereits das Erwachsenenalter erreicht haben, anhand einer seriösen Differentialdiagnostik das Vorhandensein einer autistischen Störung im Sinne eines Asperger-Syndroms bestätigen – oder ausschließen zu können.

Dazu wird es von Fall zu Fall erforderlich sein, bereits vorhandene medizinische Unterlagen auswerten und für eine tiefergehende Diagnostik verwenden zu können – oder aber diese im Fall einer zu befürchtenden Fehldiagnose auch einmal komplett zu ignorieren und eine neue Diagnostik „von Null an“  aufzubauen. Dies voneinander zu unterscheiden wird im Einzelfall schwierig sein, denn es wird Patienten geben, die bereits eine lange Odyssee hinter sich haben und von Arzt zu Arzt weitergereicht wurden; andere aber, die zeit ihres Lebens unauffällig waren, haben bisher noch keinerlei Arztkontakt gehabt. Es ist aber durchaus nicht auszuschließen, dass die Symptome bei beiden dieselben sind und daher zu derselben Diagnose führen müssten. In jedem Fall aber kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen und durch ausführliche Gespräche zu einer möglichst gesicherten Abgrenzung zu anderen psychischen / psychosomatischen Beschwerden zu gelangen. Dabei darf nicht vergessen werden: Patienten mit einem solchen Diagnoseverdacht mögen irritiert sein, sie mögen eigenbrötlerisch sein und gelten oft als Außenseiter der Gesellschaft – aber sie sind nicht dumm. Daher muss man davon ausgehen, dass sie bereits vor dem Erstkontakt zum Therapeuten sich ausführlich mit der Materie befasst und sich in die öffentlich verfügbaren Texte eingelesen, vielleicht auch schon den einen oder anderen Selbsttest im Internet absolviert oder eine Selbsthilfegruppe (SHG) besucht haben und daher zumindest einen „begründeten Selbstverdacht“ mitbringen.

Es wird weiterhin erwartet, dass der / die Stellenbewerber( in) den Umgang mit technischen Hilfsmitteln (Internet, E-Mail, SMS usw. ) sicher beherrscht. Es ist mittlerweile in einschlägigen Kreisen bekannt, dass Aspies bzw. Verdacht-Aspies dazu neigen, solche modernen Kommunikationsmittel intensiv zu nutzen, teilweise als Ersatz bzw. Ausgleich für das (ungern genutzte, oft verhasste) Telefon. Eine Möglichkeit der Erst-Kontaktaufnahme per E-Mail oder über ein Kontaktformular auf einer Internetseite wird hingegen gern genutzt. Nach erst einmal erfolgter Kontaktaufnahme ist eine spätere weitere Kommunikation per Telefon aber keineswegs ausgeschlossen.

Wichtig dabei ist aber immer, Terminabsprachen konkret zu planen und vereinbarte Termine auch auf jeden Fall unbedingt verbindlich einzuhalten. Der Weg bis hierhin ist für den Patienten in jedem Fall von Anfang an mit einer großen Überwindung verbunden und stellt eine Abweichung von dem selbst gewählten Tagesablauf, somit eine hohe Belastung dar. Die Planung eines solchen Termins muss gedanklich in den Tagesablauf integriert werden, die An- und Abreise will geplant sein und natürlich sorgt der Gesprächstermin selbst auch für einige sorgenvolle Gedanken. In einer solchen Situation ist es hilfreich, wenn der Termin möglichst exakt festgelegt werden kann (ohne lange  Leerlaufzeiten in einem Wartezimmer, womöglich mit anderen Patienten). Notwendige Terminänderungen, z.B. einem Krankheitsfall, sollten so früh wie nur irgend möglich mitgeteilt werden (siehe moderne Kommunikationsmittel).

Was wird geboten?   Bei vorliegender Eignung des Bewerbers kann dieser davon ausgehen, dass es im gesamten norddeutschen Raum zu einem regelmäßigen Zustrom von Patienten kommen wird, denn die Zahl der Verdacht-Aspies wird nicht geringer, sondern nimmt ständig zu. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendjemand eine Dokumentation im Fernsehen sieht, einen Artikel in einer Tageszeitung liest oder auch nur das Outing seines Lieblingsschauspielers vernimmt, sich darin selbst wiedererkennt  -  und kurz darauf findet dieser Mensch sich in einem der einschlägigen Internet-Themenforen wieder mit dem Satz „bin auch ich betroffen?“ Früher oder später gelangt er zu der Selbsteinsicht – oder wird mehr oder weniger sanft darauf hingewiesen: „Geh zu einem Spezialisten und lass dich diagnostizieren!“ Solch einen Spezialisten zu finden wird aber zu der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Adressen von spezialisierten Fachleuten sowie von Therapiezentren und Autismus-Ambulanzen werden zuhauf im Internet ausgetauscht. Leider aber sind sie noch viel zu selten – und daher sehr häufig völlig überlastet. Das führt dazu, dass z.B. Patienten aus dem Raum Schleswig-Holstein auch schon mal an eine Adresse in Köln verwiesen werden. Anderen werden Wartezeiten von mehreren Monaten in Aussicht gestellt, oder es wird gar eine Behandlung wegen Terminüberlastung gänzlich abgelehnt. Dies ist natürlich für den Patienten weder hilfreich noch tröstlich. Ein Ausweichen zu einem Therapeuten, der nicht ausdrücklich auf die Diagnostizierung von  Menschen im autistischen Spektrum spezialisiert ist, kann aber zu einer Fehldiagnose führen – und damit zum Beginn einer weiteren medizinischen Odyssee (siehe oben). Wird nun in diesen Kreisen eine neue Anschrift eines Therapeuten weitergegeben und womöglich auch mit ersten positiven Resonanzen verbunden, so ist ein Zulauf neuer Patienten beinahe „ganz von selbst“ zu erwarten.

Was wird benötigt?     Der materielle Bedarf ist eher gering. Neben der üblichen Büroausstattung (siehe moderne Kommunikationsmittel) wäre lediglich ein barrierefreies, möglichst ruhiges Beratungszimmer nötig, in dem ein Erstgespräch in entspannter Atmosphäre stattfinden kann. Die Ausstattung dieses Zimmers kann nicht nur, sondern sollte sogar möglichst schlicht gehalten sein, um eine drohende Reizüberflutung (Overload) des Patienten auszuschließen.

Zukunftsperspektiven:    Um es nochmals zu wiederholen: es geht dabei nicht um eine Der-schreibt-jeden-krank-Wunschdiagnostik, und es geht auch nicht darum, irgendeine elitäre neue Behandlungsmethode oder gar Medikamentierung zu finden. Es geht zunächst lediglich darum, eine gesicherte Diagnose zu erhalten, diese zu bestätigen - oder aber ggf. auch ebenso sicher ausschließen zu können.

Ist dies erst einmal gewährleistet, dann kann man sich – gemeinsam im Arzt-Patient-Kontakt – darüber Gedanken machen, was dies für Auswirkungen im Leben des Patienten hat, welche Hilfestellungen im privaten und / oder beruflichen Umfeld möglich, welche Veränderungen nötig und machbar sind, ob sich daraus letzten Endes eine Schwerbehinderung im gesetzlichen Sinne ergibt und was das bedeutet …  

Dies lässt natürlich auf weitere, fruchtbare Kontakte zwischen Arzt und Patient schließen. Für den Patienten steht eine echte Hilfe für seine Lebensgestaltung in Aussicht, für den Arzt ist ein langfristig gesichertes Einkommen durchaus nicht ausgeschlossen. - - Langfristig wäre es auch denkbar (und auch im Sinne der Betroffenen wünschenswert), auf dem Gebiet der Autismus-Diagnose für Erwachsene  Feldforschung zu betreiben. Hier gilt es festzustellen, ob und wie viele Personen es gibt, bei denen diese Symptome vorliegen, denen es aber durch geschickte Kompensation oderVermeidungshaltung gelingt, ihren Problemen aus dem Weg zu gehen; ebenso, wie viele es gibt, die durch Falscheinschätzung zu einer Fehldiagnose gelangten und die daher womöglich auf lange Zeit falsch therapiert oder medikamentiert werden.  -


Soviel zu meinem Wunschtraum. Ob er eines Tages Realität wird?!

Mittwoch, 1. Mai 2013

Die vergessene Generation



Ein Stichwort, das heute anscheinend in aller Munde ist, lautet „Autismus“. Seit dem Kinofilm „Rain Man“ (der eigentlich nur bedingt etwas damit zu tun hatte) wird viel über das autistische Spektrum gesagt und geschrieben. Einiges davon ist sogar zutreffend.

Die Problematik als solche ist aber nicht neu. Bereits 1944 beschrieb der österreichische Kinderarzt Hans Asperger die  „Autistischen Psychopathen im Kindesalter“.  Diese Schrift geriet allerdings für lange Zeit in Vergessenheit. Erst in den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese Thematik wiederentdeckt, aufgegriffen und die Forschung fortgesetzt. 

Das bedeutet aber keineswegs, dass es in der Zwischenzeit keine von dieser Symptomatik betroffenen Menschen gegeben hat! Das Fehlen eines Beweises ist kein Beweis für das Fehlen; das bedeutet in diesem Fall: nur weil in den fünfziger bis siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts niemand etwas von dieser Symptomatik wußte, heißt das nicht, dass es in dieser Zeit auch keine autistischen Kinder gab.

In der heutigen Zeit, in der diese Thematik ausführlich – und teilweise mehr, als es hilfreich wäre – veröffentlicht und jedermann zugänglich ist, werden Kinder und Jugendliche sehr viel intensiver beobachtet. Zum einen sind z.B. die Schulklassen viel kleiner als sie es früher einmal waren, zum anderen sind Betreuer, Lehrer, Pädagogen und auch Therapeuten besser geschult, so dass Auffälligkeiten jeder Form sehr viel schneller erkannt werden, als dies früher der Fall war. Außerdem muß man aber auch feststellen, dass es die Gesellschaft ist, die heute durch ständigen Anpassungs- und Leistungsdruck mehr vom einzelnen Individuum erwartet und in der „auffällige“ Personen schneller erkannt und unter Umständen ausgegrenzt werden. 

Es scheint also Fluch und Segen zugleich zu sein, wenn man das Glück  hatte, in der Zeit  - grob geschätzt  - ca. zwischen 1950 und 1970 geboren worden zu sein. Nicht nur für mich selbst kann ich dies behaupten, sondern ich habe auch im persönlichen Gespräch mit anderen Menschen bestätigt bekommen: Eine Kindheit in dieser Zeit war in mancher Hinsicht irgendwie  -  einfacher. Ungewöhnliche Verhaltensweisen wurden toleriert oder mit mehr oder weniger zutreffenden Spitznamen („Kleiner Professor“, „Stubenhocker“, „Leseratte“, Schlauberger“) abgetan. Im Schulunterricht war es noch einfacher, in der Gruppe unterzutauchen (40 Schüler in einer Klasse waren keine Seltenheit). Motorische Schwierigkeiten ergaben schlimmstenfalls eine schlechte Note im Sportunterricht.

So kannte man sich also mit etwas Glück durch die Kindheit hindurchschummeln, erreichte das Erwachsenenalter – und damit den Eintritt in die Arbeitswelt. Wenn man weiterhin Glück hatte, konnte man - nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ – seine in der Kindheit erworbenen Fähigkeiten nutzen und umsetzen. Der Umgang mit Arbeitskollegen und mit Vorgesetzten ähnelt in manchen Dingen durchaus ja der Rangordnung auf einem durchschnittlichen Spielplatz …

Wer weniger Glück hatte, fiel am Arbeitsplatz sofort unangenehm auf, weil der bisher geschützte Rahmen des Freundeskreises und des eigenen Elternhauses wegfiel. Besonderheiten, die bisher  als liebenswerte Schrullen belächelt wurden, sind nun plötzlich inakzeptabel. Probleme, den Blickontakt zu halten, werden als unhöflich bezeichnet. Der Wunsch, in der Mittagspause allein zu bleiben, stößt auf Unverständnis. Die Teilnahme an Geburtstags-  oder Weihnachtsfeiern wird zum Zwang ...  und vieles andere mehr.

Wer diesem psychologischen Druck nicht standhält, der wird früher oder später Hilfe bei einem Therapeuten suchen. Und hier schließt sich dann der Kreis: Da die Diagnosestellung  in den Kindheitsjahren nicht bekannt war, wird sie dem erwachsenen Patienten auch nicht mehr zuerkannt. Klare Richtlinie ist: Autismus wird bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert. Wer erwachsen ist und diese Diagnose nicht hat, der ist auch kein Autist. Punktum. –

Was aber ist mit dieser kleinen Gruppe von Betroffenen, die – wie gesagt – in einer Zeit heranwuchsen, in der diese Diagnose schlicht noch kein Thema war,  die nun aber in ein Alter kommen, in dem die persönlichen Probleme immer heftiger werden und der Leidensdruck des Einzelnen so stark wächst, dass er den Weg zum Therapeuten auf sich nimmt?

Dort angekommen, heißt es dann: „Autismus? Womöglich gar Asperger-Syndrom? – Nee.  Das gibt es nur für Kinder. Mal seh’n, was wir da sonst noch so haben. Wie wär’s mit Depressionen – das passt immer. Dann vielleicht noch soziale Phobie, Zwangsstörungen, repetetives Verhalten …?“  Selbst erworbenes Wissen des Patienten wird dabei erst recht nicht gern gesehen.

Es ist an der Zeit, dass sich jemand findet, der diese verlorene Gruppe von Patienten einmal richtig erforscht. Von einer „kleinen“ Gruppe kann  man dabei nicht einmal sprechen, denn die Dunkelziffer ist hoch. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht jemand durch Zufall  (oder durch den Hinweis eines wohlmeinenden Bekannten) auf das Stichwort stößt, danach googelt und sich sofort in der Thematik wiedererkennt. Nun ist dieses Wiedererkennen oft sehr emotional eingefärbt; auch Selbsttests im Internet sind nicht immer eindeutig. Hier sind gut geschulte Fachleute nötig, die dem Diagnoseverdacht zunächst einmal aufgeschlossen gegenüberstehen und diesen dann mit den richtigen Fragen und Untersuchungen bestätigen – oder ihn entkräften.  Wer aber schon im Erstgespräch die Worte hört „Autismus?! Aber Sie doch nicht. Sie können ja sprechen!“ , dem ist nicht wirklich geholfen.

Wenn – Falls - es also irgendwo da draußen junge, aufstrebende Mediziner gibt, die noch nach einem interessanten Wirkungsgebiet suchen: Hier ist es. Ansprechpartner finden sich zuhauf in jedem Internetforum zum Thema „Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter“.

Samstag, 20. Oktober 2012

Zuckermais

In der Gartensaison 2012 wollten wir mal etwas Neues ausprobieren und kamen nach einiger Überlegung auf Zuckermais.
Nun, Mais ist als Nutzpflanze derzeit in aller Munde, was man aber in diesem Fall (leider) nicht wörtlich nehmen darf, denn es handelt sich bei den großflächig angebauten Pflanzen fast immer um Futtermais, der als Silage zu Tierfutter verarbeitet oder - schlimmer noch - direkt in Biogasanlagen verarbeitet wird.

Wir aber wollten, wie gesagt, es einmal mit dem Zuckermais versuchen. Von allgemeinen Informationen über Arten und Herkunft einmal abgesehen, war aber über den Anbau und die Verarbeitung von Zuckermais erstaunlicherweise im Internet nicht viel zu finden. So mussten wir uns selbst an einen Versuch heranwagen.
Die Aussaat erfolgte Mitte Mai 2012 mit Saatgut aus dem Gartenmarkt; zwischen die Maiskörner wurden Bohnen gesät, um einen gegenseitigen Halt der Pflanzen zu ermöglichen.




Im September 2012 waren die Pflanzen bereits recht gut entwickelt. Weil es aber bis dahin ein eher kühler und feuchter Sommer gewesen war, beschlossen wir, mit der Ernte noch ein klein wenig zu warten.
So war es denn Anfang Oktober 2012 geworden, bevor wir zur Tat schritten.





Erste Befürchtungen, dieser Termin sei bereits zu spät gewählt und der Zuckermais ungenießbar geworden, bestätigten sich glücklicherweise nicht, obwohl in vielen Quellen davon berichtet wird, der Mais sei nur für wenige Tage erntereif. Man sollte sich hierdurch nicht zu unnötiger Hast verleiten lassen.


 Jedenfalls wurden die Maiskolben vor Ort zunächst einmal aus ihren Stauden herausgelöst und grob von den umhüllenden Blättern befreit. 







Daheim angekommen, wurden die Kolben zunächst mit klarem Wasser gespült und danach in kochendem Salzwasser für ca. 4-5 Minuten kurz blanchiert. Nun endlich zeigten sie auch eine wunderbar goldgelbe
Farbe!





Danach begann die eigentliche Arbeit. Es galt, die Maiskörner von den
Kolben zu lösen. Eine knifflige Geduldsprobe. Hilfswerkzeuge wie Messer oder Gabeln, wie in einigen Quellen angegeben, erwiesen sich als wenig hilfreich.







 Am Ende ergab es sich, dass das gute alte Zehnfingersystem doch am effektivsten war.
Anschließend wurden die Maiskörner in handlichen Portionspackungen eingefroren.  -






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Nun blieb natürlich noch die Frage offen, ob die Maiskörner diese Frostlagerung denn auch gut überstehen würden. Daher haben wir eine Woche darauf einen ersten Selbsttest gewagt und eine Portion verwendet. Während des Auftauens sah diese Portion zuerst wenig appetitlich aus; aber in der Pfanne - als Grundlage für eine gemischte Nudel- und Gemüsemahlzeit - lief der Zuckermais dann zu voller Hochform auf.




Der Geschmack ist unvergleichlich lecker und viel intensiver als von dem gewohnten Zuckermais aus der
Dose. Das leicht Süßliche, dem der Zuckermais seinen Namen verdankt, läßt sich gut herausschmecken, so dass dem Gericht keine weiteren Süßungsmittel mehr hinzugefügt werden brauchen.








(Kleines Update: Im Juni 2013 haben wir die letzte eingefrorene Portion aufgetaut und mit Appetit verspeist. Bis zuletzt war der Zuckermais gut erhalten und schmackhaft).

Sonntag, 20. Mai 2012

Jammern auf hohem Niveau

Ich bewundere und beneide Menschen, die scheinbar mühelos ihre Gedanken und Gefühle in druckreifer Form auszudrücken vermögen. Mir selbst gelingt das leider fast nie. Vermutlich werde ich deshalb niemals ein eigenes Buch veröffentlichen.

Es gibt in vielen alten Schriften - und auch im Internet - eine Geschichte, deren Herkunft je nach Kulturkreis vielen Persönlichkeiten zugeschrieben wird. Im Kern geht es dabei stets um die Frage, ob man etwas sagen kann oder soll. Bevor man dies tut - so die Moral der Geschichte -, soll man sich selbst drei Fragen stellen:
Ist es wahr?
Ist es freundlich?
Ist es hilfreich?

Kann man diese Fragen nicht mit "Ja" beantworten, so sollte man lieber schweigen.  

Für mich selbst füge ich noch eine weitere Frage hinzu:
Interessiert das überhaupt irgend jemanden außer mir selbst?
Und an dieser letzten, grössten Hürde scheitern die meisten meiner Gedanken und bleiben unausgesprochen.

Vermutlich ist das falsch, und vermutlich würde ich viele andere Menschen mit meinen Gedanken ansprechen und sie vielleicht sogar inspirieren. Aber ich bin es nicht gewohnt, dies zu tun, und so bleibt die Glaswand zwischen mir und den anderen da draußen unverändert bestehen. 

Samstag, 4. Juni 2011

Tschilp, Tschilp

Nun bin auch ich im Zeitalter von WEB 2.0 angekommen und habe mir einen Twitter-Account zugelegt.
Die Verlinkung findet man unten rechts auf dieser Seite.


Ich weiß zwar noch nicht so recht, wozu das gut sein soll, aber ich bin bereit es herauszufinden ...

Sonntag, 19. Dezember 2010

Advent

Nach zwei Tagen basteln, herumprobieren und schneiden ist meine kleine vertonte und bebilderte Adventsgeschichte nun fertig.  :-)

Sonntag, 31. Oktober 2010

Nun bin also auch ich berufen ...

So, nun ist es passiert. Ich habe mich dem Druck des allgemeinen Mainstreams ergeben und dabei gleichzeitig auch für mich die Welt des Bloggens entdeckt.
Da ich aber davon ausgehe, dass dies den Rest der Welt nicht wirklich interessiert, habe ich diesem meinem Blog den hintersinnigen Namen verpasst. Nun, man wird ja sehen, was daraus wird.
Eine altbekannte Weisheit lautet ja: der Vorteil an Selbstgesprächen ist, dass man zumindest keine dummen Antworten  bekommt ....    ;-)